Stiftskapellmeister Prof. Franz Nekes (1844-1914)


Das am 13. Juni 1927 errichtete große Grabmal für Franz Nekes auf dem Aachener Ostfriedhof (Adalbertsteinweg) befindet sich heute in einem beklagenswerten, verwahrlosten Zustand. Das von Josef Meurisse (gest. 1936) geschaffene Bildnisrelief Nekes' ist offenbar mutwillig entfernt worden, die Substanz des Grabmales durch Witterungseinflüsse etc. stark angegriffen, die Inschriften verwittert. Die Grünbepflanzung ist akzeptabel, könnte optisch aber noch besser hergerichtet werden. Die Errichtung dieses Grabmales für den Aachener Stiftskapellmeister und Priesterkomponisten erfolgte nach einem Aufruf im „Echo der Gegenwart" vom 7. November 1925. Dieser Zeitungsartikel, verfaßt von Dr. Heinrich Schiffers, wird im folgenden vorgestellt. Der Abschnitt, der sich direkt mit dem Grabmal befaßt, ist von uns kursiv hervorgehoben. Unter dem Beitrag werden aktuelle Photos vom heutigen Zustand des Grabmales gezeigt.


Haben wir Franz Nekes vergessen?

Nein. Solange eine musica sacra gepflegt wird, solange wird auch Franz Nekes unvergessen bleiben. Immer wieder ertönen die Messen und Motetten dieses unvergleichlichen Priesterkomponisten, nicht nur im Aachener Liebfrauenmünster, dem fast ein Vierteljahrhundert seines priesterlichen Wirkens und künstlerischen Schaffens gewidmet war, sondern auch in vielen anderen Domen und Gotteshäusern.

Wie könnte es auch anders sein? „Seine Werke“ – so wird von fachmännischer Seite geurteilt – „können durch tiefgründige Erfassung des Inhaltes, durch Einheitlichkeit in der Darstellung und durch ihre künstlerische Struktur einen Ehrenplatz in der Reihe der kirchenmusikalischen Kunstschöpfungen beanspruchen.“ Und kein Geringerer als Mitterer ließ sich 1904 durch Nekes’ „Missa festiva“ zu dem begeisterten Ausspruch hinreißen: „Palestrina ist wieder erstanden!“ Freilich, Palestrina, der bedeutendste Kirchenkomponist der alten römischen Schule, in dessen System sich Nekes seit jungen Jahren mit Fleiß und liebevoller Hingabe vertieft hatte, wurde für ihn nur die klassische Form, die er ganz mit eigenem Empfinden und Denken erfüllte. Nur dann vermag man das künstlerische Schaffen dieses Mannes ganz zu verstehen, wenn man sich der Charakteristik erinnert, die Stiftspropst Dr. Kaufmann an Nekes’ Sarg im Hochchor des Aachener Münsters aussprach: „Singen und Beten war ihm eins.“

Nekes ging ganz auf in seinem Schaffen zum Preis des Allerhöchsten. Auf äußere Erfolge sah er nicht, und sie sind ihm erst verhältnismäßig spät zuteil geworden. Nach seiner Priesterweihe hatte er zunächst kurze Zeit als Domvikar in Köln und danach als geistlicher Lehrer in Mönchengladbach gewirkt, 17 Jahre lang war er dann Kaplan und zuletzt Pfarrverweser in Gerderath bei Erkelenz, wo eine günstig aufgenommene Messe „in honorem Sti. Arnoldi“ entstand. Im Jahre 1887 erfolgte seine Berufung als Inspektor an die Kirchenmusikschule Gregoriushaus in Aachen, wo er 27 Jahre wirkte, davon lange Zeit unter der Direktion des jetzigen Bischofs Fr. Bornewasser von Trier, dem 1899 die Leitung des Institutes anvertraut wurde. 1891 wurde Nekes auch zum Stiftskapellmeister am Aachener Liebfrauenmünster ernannt, und hier entstand 1896 sein bedeutendstes Werk, die Messe „O crux ave“, die in wenigen Wochen eine schnelle und weite Verbreitung fand. 23 Jahre stand Nekes in engster Beziehung zum Aachener Münster und seinem Domchor, für den ein Teil seiner Kompositionen sogar eigens zugeschnitten ist.

Die innere Befriedigung, welche ihm die Kunst gab, war Nekes genug; wenn man ihm schließlich doch auch eine äußere Anerkennung zuteil wurde, so ist das um so höher zu bewerten, weil er sich nie darum bemüht hat: er wurde Kanonikus am Aachener Münster, erhielt den Titel eines Professors und wurde Päpstlicher Geheimkämmerer.

Und als am 6. Mai 1914 Nekes infolge eines Schlaganfalles starb, geleitete man seine sterblichen Reste in einem ehrenvollen Leichenbegängnis aus dem Münster zum Friedhof am Adalbertsteinweg; die Regimentskapelle der 25er, die Fahnen der Aachener Kirchenchöre, die Lehrer und Schüler des Gregoriushauses, die Pfarr- und Stiftsgeistlichkeit und zahlreiche Bürger gaben dem toten Komponisten das Geleite, Tausende am Wege ließen in stummer Huldigung den Trauerzug vorüberziehen.

Bald kam der Krieg, und ihm folgten die schlimmen Nachkriegsjahre. Da geriet das Grab dieses Priesterkomponisten, dessen Werke überall erklingen, fast in Vergessenheit. Man kennzeichnete zwar sein Grab durch eine schlichte Tafel und schrieb darauf die Worte: „Wer schuf, was du zum Lob des Herrn geschaffen, wird niemals ungeehrt und nicht vergessen werden.“ Als ich Allerseelen vor diesem Grab stand, da mußte ich mir allerdings sagen, daß wir mehr für Nekes’ Ruhestätte tun müssen. Wohl ist das Grab gepflegt, aber keine Blume blüht darauf, und nur eine späte Rose neigte sich vom Nachbargrab auf diesen Hügel. Die Tafel mit ihrer Holzeinfassung ist lediglich ein Provisorium, das man in schlimmen Zeiten geschaffen hat. Dabei darf es nicht bleiben.

Heute ergeht deshalb von dieser Stätte aus der Ruf: „Gebt Nekes ein würdiges Grabmal! Man hat auch bereits von dem Gedanken gesprochen, der dem Denkmal zugrunde gelegt werden soll, und er erscheint auch mir angebracht, daß man von Nekes’ Meisterschöpfung, seiner Messe „O crux ave“, ausgehen müsse. Aachen wird diesen Ruf nicht ungehört verhallen lassen, vor allem werden alle Freunde der musica sacra, besonders aber unsere Kirchenchöre, freudig dazu beitragen, daß diese Allerseelenanregung verwirklicht wird; mehr braucht hier nicht gesagt zu werden. Aber nicht wir Aachener allein wollen Nekes dieses Ehrenmal errichten, sondern die gesamten Cäcilienvereine, vor allem in der Erzdiözese Köln, sollen mitteilhaben an diesem Werk der Dankbarkeit, weil ihnen allen das Wirken dieses Mannes gegolten hat. So braucht jeder nur ein kleines Scherflein beizutragen zur Abtragung dieser Ehrenpflicht dem toten Komponisten gegenüber. Und es wird sich zeigen, daß wir Franz Nekes nicht vergessen haben!

Nein. Solange eine musica sacra gepflegt wird, solange wird auch Franz Nekes unvergessen bleiben. Immer wieder ertönen die Messen und Motetten dieses unvergleichlichen Priesterkomponisten, nicht nur im Aachener Liebfrauenmünster, dem fast ein Vierteljahrhundert seines priesterlichen Wirkens und künstlerischen Schaffens gewidmet war, sondern auch in vielen anderen Domen und Gotteshäusern.

Wie könnte es auch anders sein? „Seine Werke“ – so wird von fachmännischer Seite geurteilt – „können durch tiefgründige Erfassung des Inhaltes, durch Einheitlichkeit in der Darstellung und durch ihre künstlerische Struktur einen Ehrenplatz in der Reihe der kirchenmusikalischen Kunstschöpfungen beanspruchen.“ Und kein Geringerer als Mitterer ließ sich 1904 durch Nekes’ „Missa festiva“ zu dem begeisterten Ausspruch hinreißen: „Palestrina ist wieder erstanden!“ Freilich, Palestrina, der bedeutendste Kirchenkomponist der alten römischen Schule, in dessen System sich Nekes seit jungen Jahren mit Fleiß und liebevoller Hingabe vertieft hatte, wurde für ihn nur die klassische Form, die er ganz mit eigenem Empfinden und Denken erfüllte. Nur dann vermag man das künstlerische Schaffen dieses Mannes ganz zu verstehen, wenn man sich der Charakteristik erinnert, die Stiftspropst Dr. Kaufmann an Nekes’ Sarg im Hochchor des Aachener Münsters aussprach: „Singen und Beten war ihm eins.“

Nekes ging ganz auf in seinem Schaffen zum Preis des Allerhöchsten. Auf äußere Erfolge sah er nicht, und sie sind ihm erst verhältnismäßig spät zuteil geworden. Nach seiner Priesterweihe hatte er zunächst kurze Zeit als Domvikar in Köln und danach als geistlicher Lehrer in Mönchengladbach gewirkt, 17 Jahre lang war er dann Kaplan und zuletzt Pfarrverweser in Gerderath bei Erkelenz, wo eine günstig aufgenommene Messe „in honorem Sti. Arnoldi“ entstand. Im Jahre 1887 erfolgte seine Berufung als Inspektor an die Kirchenmusikschule Gregoriushaus in Aachen, wo er 27 Jahre wirkte, davon lange Zeit unter der Direktion des jetzigen Bischofs Fr. Bornewasser von Trier, dem 1899 die Leitung des Institutes anvertraut wurde. 1891 wurde Nekes auch zum Stiftskapellmeister am Aachener Liebfrauenmünster ernannt, und hier entstand 1896 sein bedeutendstes Werk, die Messe „O crux ave“, die in wenigen Wochen eine schnelle und weite Verbreitung fand. 23 Jahre stand Nekes in engster Beziehung zum Aachener Münster und seinem Domchor, für den ein Teil seiner Kompositionen sogar eigens zugeschnitten ist.

Die innere Befriedigung, welche ihm die Kunst gab, war Nekes genug; wenn man ihm schließlich doch auch eine äußere Anerkennung zuteil wurde, so ist das um so höher zu bewerten, weil er sich nie darum bemüht hat: er wurde Kanonikus am Aachener Münster, erhielt den Titel eines Professors und wurde Päpstlicher Geheimkämmerer.

Und als am 6. Mai 1914 Nekes infolge eines Schlaganfalles starb, geleitete man seine sterblichen Reste in einem ehrenvollen Leichenbegängnis aus dem Münster zum Friedhof am Adalbertsteinweg; die Regimentskapelle der 25er, die Fahnen der Aachener Kirchenchöre, die Lehrer und Schüler des Gregoriushauses, die Pfarr- und Stiftsgeistlichkeit und zahlreiche Bürger gaben dem toten Komponisten das Geleite, Tausende am Wege ließen in stummer Huldigung den Trauerzug vorüberziehen.

Bald kam der Krieg, und ihm folgten die schlimmen Nachkriegsjahre. Da geriet das Grab dieses Priesterkomponisten, dessen Werke überall erklingen, fast in Vergessenheit. Man kennzeichnete zwar sein Grab durch eine schlichte Tafel und schrieb darauf die Worte: „Wer schuf, was du zum Lob des Herrn geschaffen, wird niemals ungeehrt und nicht vergessen werden.“ Als ich Allerseelen vor diesem Grab stand, da mußte ich mir allerdings sagen, daß wir mehr für Nekes’ Ruhestätte tun müssen. Wohl ist das Grab gepflegt, aber keine Blume blüht darauf, und nur eine späte Rose neigte sich vom Nachbargrab auf diesen Hügel. Die Tafel mit ihrer Holzeinfassung ist lediglich ein Provisorium, das man in schlimmen Zeiten geschaffen hat. Dabei darf es nicht bleiben.

Heute ergeht deshalb von dieser Stätte aus der Ruf: „Gebt Nekes ein würdiges Grabmal! Man hat auch bereits von dem Gedanken gesprochen, der dem Denkmal zugrunde gelegt werden soll, und er erscheint auch mir angebracht, daß man von Nekes’ Meisterschöpfung, seiner Messe „O crux ave“, ausgehen müsse. Aachen wird diesen Ruf nicht ungehört verhallen lassen, vor allem werden alle Freunde der musica sacra, besonders aber unsere Kirchenchöre, freudig dazu beitragen, daß diese Allerseelenanregung verwirklicht wird; mehr braucht hier nicht gesagt zu werden. Aber nicht wir Aachener allein wollen Nekes dieses Ehrenmal errichten, sondern die gesamten Cäcilienvereine, vor allem in der Erzdiözese Köln, sollen mitteilhaben an diesem Werk der Dankbarkeit, weil ihnen allen das Wirken dieses Mannes gegolten hat. So braucht jeder nur ein kleines Scherflein beizutragen zur Abtragung dieser Ehrenpflicht dem toten Komponisten gegenüber. Und es wird sich zeigen, daß wir Franz Nekes nicht vergessen haben!

Die Grabstätte Franz Nekes zu Beginn der 1990er Jahre. Auf dem Grabmal befindet sich noch das inzwischen verschwundene Bildnisrelief. (Photo entnommen: Ingeborg Schild / Elisabeth Janssen, Der Aachener Ostfriedhof ( = Aachener Beiträge für Baugeschichte und Heimatkunst Bd. 7), Aachen 1991, S. 308)


Hier der Zustand des Grabes im Juni 2005; Farbphotos: © SINFONIA SACRA e.V. :